11. Zurück in Camelot
Doch Merlin “hörte” sie - noch - nicht. Er, Arthur und die Ritter kehrten zurück nach Camelot. Es dauerte eine Weile; eine Zeit, in der vor allem Merlin und Arthur schier vor Ungeduld und Sorge platzten. Merlin war in Sorge um Leeana und Arthur wusste nicht, ob sein Schloss überhaupt noch stand, bzw. was mit seinen Rittern und den Wachen und allen anderen Bewohnern des Schlosses geschehen war. Er machte sich Vorwürfe, dass er sein Schloss verlassen hatte und obwohl er tief in sich wusste, dass es nicht seine Schuld war, so konnte er sich dieser Gefühle doch nicht erwehren.
Dann waren sie endlich angekommen. Arthur bemerkte mit Erleichterung, dass das Schloss noch stand und er keinerlei Brandspuren oder ähnliches ausmachen konnte. Während ihn Erleichterung überflutete, verspannte sich Merlin zusehends. Er merkte, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Auch, wenn das Schloss selber nicht in Mitleidenschaft gezogen worden war, es sah noch genauso aus wie zuvor, konnte er dennoch Morganas dunkle Aura spüren. Auch wenn dem Schloss äußerlich nichts anzumerken war, beschlich auch Arthur ein übles Gefühl und er gab seinen Rittern den Befehl, sich innerhalb des Schlosses umzusehen und er ermahnte sie, vorsichtig zu sein. Er war sich zwar sicher, dass Morgana fort war, schließlich hatte Merlin sie in seiner Vision in ihrem Schloss gesehen, doch wer wusste, was sie ihnen als “Präsent” dagelassen hatte? Die Ritter nickten und näherten sich dann - geführt von Sir Lancelot - dem Hintereingang des Schlosses.
Merlin und Arthur waren derweil von ihren Pferden abgestiegen und liefen in die Richtung des Vordereinganges. Bei beiden war die Anspannung zu spüren. Dann erstarrten sie. Sie konnten in etwas weiterer Entfernung Gaius erkennen, der sich verzweifelt bemühte, einen Ast, der so dick war wie ein ganzer Mann, von jemandem herunter zu hieven, was dem alten Mann denkbar schwer fiel. Und mit noch größerem Erschrecken registrierten sowohl Arthur als auch Merlin, dass es sich bei dem Mann um Sir Leon handelte! Dann war die Schrecksekunde vorüber und sowohl Arthur als auch Merlin sprangen von ihren Pferden und hasteten zu Gaius.
Merlin war zuerst bei ihm. Gaius hatte nichts von seinem Erscheinen bemerkt, er war immer noch verzweifelt bei seinen Rettungsversuchen, die schon einige Zeit dauerten, und ihm Schweißperlen auf die Stirn trieben. Einmal vor Anstrengung und dann auch vor Sorge und Angst um den Ritter. Gaius spürte, dass er nicht mehr viel Zeit hatte um ihn von dem mannsgroßen Ast zu befreien und zu heilen…
Dann spürte er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter. Gaius sprang beinahe panisch auf die Beine und wäre beinahe über Sir Leon gestolpert, als er sich umdrehte und dann zurück trat. Er fürchtete, dass es nun vorbei war. Doch dann sah er - seine Augen wurden groß - Merlin? War das ein Trugbild? Vielleicht ein böser Zauber? In der Zwischenzeit war auch Arthur hinzugetreten. Er hielt sich nicht lange mit Begrüßungen auf, sondern kniete sich vor Sir Leon und versuchte ebenfalls, ihn von dem großen Ast zu befreien. Doch dieser war selbst für ihn zu schwer. Es gelang ihm lediglich, diesen ein kleines Stückchen von Sir Leons Körper zu hieven, dann sank er erneut auf dessen Brust zurück.
Merlin hatte Gaius angeblickt und die Panik in seinen Augen gesehen und diese auch gespürt. Er nickte und sprach beruhigend auf ihn ein: “Ich bin es, Gaius. Wir sind zurück gekehrt, da ich gespürt habe, dass etwas geschehen ist.” Gaius beruhigte sich langsam und begriff, dass es tatsächlich Merlin und Arthur waren, die er da vor sich sah. Er lächelte. Dann wurde sein Gesichtsausdruck wieder ernst. “Merlin, die Mädchen…” “Ich weiß, Morgana hat sie entführt…” “Morgana?” keuchte Gaius. Er hatte mit allem gerechnet, nur nicht mit Morgana! Doch dann wurde ihm einiges klarer. Doch bevor Merlin antworten konnte, hörten sie Arthurs leicht säuerliche Stimme: “Ich störe eure angeregte Unterhaltung recht ungern, aber ich bräuchte hier mal Hilfe! Merlin, evtl. könntest du mit deiner Magie ein wenig nachhelfen, damit wir Sir Leon befreien können??” Merlin löste sich erschrocken von Gaius und lief zu dem Ritter hinüber. Wie hatte er nur den Ritter vergessen können? Auch Gaius hatte Schuldgefühle. Merlin bat Arthur kurz, zur Seite zu treten, was dieser auch tat, und dann sprach er einen kurzen Zauberspruch, der zur Folge hatte, dass der Baumstamm sich beinahe wie von selbst hob und auf der anderen Seite des Baumes herab fiel. Sir Leon war frei.
Arthur hatte mal wieder für kurze Zeit fasziniert Merlins Augen betrachtet, als sie sich goldgelb verfärbten. Dann riss er sich zusammen und wandte sich an Gaius. “Gaius, was ist mit ihm?” Gaius zögerte nicht lange und kniete sich sofort vor ihn hin um ihn zu untersuchen. Sein Gesichtsausdruck war ernst. Er konnte zwar noch Vitalfunktionen erkennen; Sir Leons Herz schlug noch und auch die Atmung war noch aktiv, aber da der Ast auf Sir Leons Brustkorb gefallen war, war beides nur sehr schwach auszumachen. Er sah zuerst Merlin und dann Arthur an. “Ich müsste meine Heilkräuter und Mischungen holen, doch ich fürchte, soviel Zeit ist nicht mehr - Sire, ich würde vorschlagen, dass Merlin…” Weiter brauchte er nicht zu sprechen, Arthur nickte. “Ja, schon gut. Merlin, heil ihn. Ich will ihn so gesund haben wie er vorher war; abgesehen davon möchte ich wissen, was genau hier geschehen ist!”
Merlin nickte und dann machte er sich ans Werk. Seine Augen blitzen erneut gelb auf, als er seine Hand auf Sir Leon legte und langsam seinen Herzschlag erspürte. Dieses Mal hatte er keine Vision, wie bei der Heilung von Jade, und nachdem er im Einklang mit Sir Leons viel zu langsamen Herzschlag war, “zwang” er diesen im richtigen Takt zu schlagen. Dann widmete er sich dessen Lungenflügel, die durch den Einschlag des Baumstammes eingefallen waren, was seine schwache, beinahe kaum noch vorhandene Atmung erklärte. Auch dies konnte er schließlich durch Anwendung von Magie ändern. Er sorgte zuerst dafür, dass seine Lunge wieder breiter wurde und Sir Leon wieder in der Lage war, die Luft aufzunehmen, die sein Körper brauchte um zu überleben. Dann war es geschafft. Sie konnten hören, wie dessen Atmung sich wieder normalisierte und schließlich konnte Merlin ihn los lassen. Sowohl die Atmung als auch der Herzschlag funktionierten jetzt wieder einwandfrei und ohne seine Hilfe. Nun mussten sie nur noch warten, bis er von alleine aus der Ohnmacht erwachte, doch das würde nicht mehr lange dauern, versicherte Merlin ihnen.
Besonders Arthur war trotz Merlins Beteuerung ungeduldig. Er wusste zwar von Merlin, wer für das alles verantwortlich war, dennoch wollte er von dem Ritter erfahren, was genau vorgefallen war und was dieser noch wusste. Dann war es soweit. Langsam regte sich Sir Leon und Gaius, der bis jetzt dabei gestanden hatte, während Merlin diesen geheilt hatte, beugte sich noch einmal zu ihm hinab um diesen erneut zu untersuchen. Die schwersten Verletzungen waren tatsächlich geheilt und es blieben nur noch ein paar blaue Flecke übrig, die aber auch von alleine fort gehen würden. Schließlich war Sir Leon tatsächlich wach. Er wusste zuerst nicht so richtig, was geschehen war, dann schien es ihm wieder einzufallen, denn er versuchte, so schnell wie möglich auf die Beine zu kommen, was ihm zuerst noch nicht richtig gelingen wollte. Er knickte wieder ein und keuchte. Auch wenn Merlin sein Herz und seine Lunge wieder in die richtigen Bahnen gebracht hatte, die leichten Quetschungen und blauen Flecken auf seiner Brust schmerzten noch. Arthur beugte sich zu ihm herab. “Ganz ruhig. Wir sind es! Hier ist - jedenfalls im Moment - wieder alles in Ordnung. Könnt Ihr Euch an etwas erinnern?” Sir Leon schaute zu ihm auf - und erkannte seinen König.
Langsam stand er auf, an seinem Gesichtsausdruck konnte man erkennen, dass er Schmerzen hatte, und verbeugte sich leicht. Auch vor Merlin, der ungeduldig abwinkte. Dafür hatten sie jetzt eigentlich keine Zeit, er wollte nach weiteren Spuren suchen, die ihm auf Leeanas Spur führen sollten! Deswegen war er hierhin zurück gekehrt. Aber trotzdem hatte er noch genug Anstand, Sir Leons Gruß zu erwidern. Auch Arthur hatte leicht genickt und dann stellte er die Frage, die ihm schon die ganze Zeit auf der Seele brannte: “Was ist hier geschehen? Wo sind die anderen? Was ist mit Sir Gwain?”
Gaius erschrak, als er den Namen hörte. Jetzt fiel ihm auch der andere Ritter ein, der verletzt im Inneren des Schlosses - vor seiner Türe um genau zu sein - lag. Er hatte ihn ganz vergessen, als er um Sir Leons Leben bangte und versucht hatte, ihm zu helfen. Bevor Leon antworten konnte, stieß Gaius hervor: “Sir Gwain ist ebenfalls verletzt! Er liegt im Schloss, ich hatte kurz nach ihm geschaut, um seine Vitalfunktionen zu überprüfen. Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass diese in Ordnung waren, bin ich hierher gelaufen, weil ich schauen wollte, ob ich noch eine Spur von den Mädchen finden konnte.. Und dann habe ich Sir Leon entdeckt.. Verzeiht mir, Mylord, aber wir müssen jetzt auch nach Sir Gwain schauen, ich denke, er wird auch Hilfe brauchen!”
Arthur biss die Zähne zusammen und nickte nur. Was würde ihn hier noch alles erwarten? Mittlerweile war auch Sir Leon wieder fester auf den Füßen und sie gingen Richtung Schloss. Sir Leon begann, leise zu sprechen: “Mylord, es war Morgana! Sie hat die Mädchen entführt.. Ich weiß nicht, wie sie in das Schloss gekommen ist, keiner scheint sie gesehen zu haben.. Ich selbst war außerhalb des Schlosses, als ich sie und die Mädchen gesehen habe.. Ich habe versucht, sie zu töten und die Mädchen zu befreien, aber als ich auf sie los gehen wollte, hat sie mich an den Baum gestoßen.. Ich habe diese Druckwelle gespürt, mit der sie mich angegriffen hat. Und dann fiel der Ast auf mich - und ich spürte gar nichts mehr.. Es tut mir Leid, dass ich nichts tun konnte, um den Mädchen zu helfen”, setzte er noch hinzu, mit einem geknickten Blick auf Merlin. Dieser schüttelte nur den Kopf. Seine Mine war ausdruckslos, beinahe gefühllos, und nur Arthur wusste, dass dies nichts zu bedeuten hatte. Merlin litt mehr, als er hier vor ihnen zugeben würde. Und doch riss er sich zusammen um in der Lage zu sein, die Suche nach dem Mädchen, für das er wie ein Bruder fühlte und dem anderen Mädchen weiter zu führen. Arthur legte eine Hand auf Merlins Schulter und fühlte, wie dieser sich versteifte. “Es wird alles gut, Merlin! Wir finden sie!” Merlin sah zu ihm und für einen kurzen Augenblick glitt ein dankbares Lächeln über sein Gesicht, doch es verschwand sofort wieder. Auch er hoffte, dass sie sie finden würden, doch würde es noch rechtzeitig sein? Würden sie noch leben? Er konnte immer noch kein Zeichen von ihr empfangen und die Schmerzen, die er während ihrer Folterung gespürt hatte, waren zwar nicht mehr so stark, aber richtig fort waren sie immer noch nicht. Nein, er wusste, dass sie sich beeilen mussten, dennoch war nun erst einmal Sir Gwain wichtig. Arthur, Merlin, Gaius und der Ritter hatten den Eingang zum Schloss erreicht und Arthur hielt die anderen dazu an, vorsichtig und leise zu sein und so traten sie gemeinsam ins Schloss. Sowohl Arthur als auch Sir Leon, der wieder beinahe vollständig einsatzfähig war, hatten ihre Schwerter gezogen und traten angespannt in den Eingangsbereich des Schlosses ein…
Währenddessen hatten die Ritter bereits das Schloss durchkämpft. Zuerst konnten sie nichts erkennen, doch dann bemerkten sie Wachen und einige der Ritter, die im Schloss geblieben waren, die mit etwas kämpften… Den Rittern blieb beinahe die Luft weg. Konnte das wahr sein?? Nach einigen Sekunden des Schocks war ihnen klar, dass es der Realität entsprach, was sie da sahen. Immerhin war nach Arthurs Krönung die Magie nach Camelot zurück gekehrt - wenn sie jemals ganz verschwunden war.. Jedenfalls registrierten sie Wachen und andere Ritter, die mit fliegenden Schwertern! kämpften, die scheinbar völlig von alleine auf diese zuflogen! Leider waren auch einige der Wachen von den scheinbar führerlos kämpfenden Schwertern erschlagen worden. Doch die Ritter hatten keine Zeit um diese zu trauern, sondern eilten schnellstmöglich zur Hilfe herbei, angeführt von Sir Lancelot. Nun war die Zahl der kämpfenden Ritter höher als die der fliegenden Schwerter und sie hatten zumindest eine Chance, gegen diese anzugehen…
Arthur, Sir Leon, Gaius und Merlin waren durch das Schloss auf dem schnellsten Weg zu Gaius´ Stube gelaufen, vor der der verletzte Sir Gwain lag. Zuerst kam ihnen kein Feind entgegen und sie waren erleichtert, da sie schon befürchtet hatten, dass Morgana ihnen einige ihrer “Freunde” zur Begrüßung dagelassen haben könnte… Arthur war schon beinahe dabei, sein Schwert wieder in die Scheide zu stecken, als auch er wie vom Donner gerührt stehen blieb. Die anderen stoppten ebenfalls. Was sie sahen, ließ ihnen die Haare zu Berge stehen. Arthurs Wachen und Ritter kämpften mit fliegenden Schwertern!! Dies war eindeutig Morganas Werk!
Nachdem sie sich aus der Erstarrung gelöst hatten, sagte Gaius leise: “Wir müssen da durch, Sire, Sir Gwain liegt dahinter vor der Wand, wenn er denn nicht zwischendrin aufgewacht ist..” Merlin schüttelte den Kopf. “Nein, ist er nicht. Ich kann seine Präsenz noch spüren und er ist immer noch ohnmächtig. Zwar nicht ganz so schwer verletzt wie Sir Leon, aber er ist immer noch nicht bei Bewusstsein und braucht unsere Hilfe.” Arthur nickte. Er konnte sehen, dass seine Ritter, mit Sir Lancelot an der Spitze, in der Überzahl waren, dennoch hatten einige der Wachen und auch der Ritter, die das Schloss bewachen sollten, während sie fort waren, ihr Leben lassen mussten. Er biss die Zähne zusammen. Also hatte Morgana doch etwas zerstört… Das würde sie ihm büßen. Noch einmal würde diese Hexe nicht lebend davon kommen! Er hatte noch eine Rechnung mit ihr offen… Doch das musste warten. Er hatte jetzt keine Zeit für solche Gedanken! Mit einem kurzen Blick sah er auf Merlin und dieser verstand. Seine Augen wurden erneut goldgelb und die fliegenden Schwerter, die noch in Aktion waren - einige waren schon von den kämpfenden Rittern zerstört worden, dennoch waren es noch sehr viele die ihnen um die Ohren flogen - fielen mit einem Schlag auf den Boden und rührten sich nicht mehr. Die Ritter schauten verwirrt auf und erblickten Arthur und den Zauberer. Auch sie verbeugten sich, doch dieses Mal war es Arthur, der abwinkte. Sie hatten keine Zeit für diese Rituale. Auch, wenn er wusste, dass es unhöflich und gegen die Etikette war, doch es war ihm egal. Stattdessen schaute er geradeaus und sah schließlich in etwas weiterer Entfernung Sir Gwain an der Wand lehnen. Er und Merlin, der ihn ebenfalls gesehen hatte, stürzten nach vorne - von den Schwertern ging keine Gefahr mehr aus - und kamen schließlich bei Sir Gwain an. Merlin beugte sich sofort zu ihm und ertastete seinen Puls, der relativ regelmäßig schlug. Bei ihm war es einfacher als bei Sir Leon, er war nur durch den starken Stoß gegen die Wand in eine längere Bewusstlosigkeit geglitten. Merlin wandte erneut einen Heilzauber an und nach wenigen Augenblicken erwachte auch Sir Gwain. Arthur, die Ritter und auch Gaius atmeten hörbar erleichtert auf. Auch Sir Gwain war zuerst relativ verwirrt und wollte sein Schwert ziehen als ihm wieder einfiel, was geschehen war, doch Arthur hielt ihn davon ab. “Es ist vorbei. Morgana ist nicht mehr im Schloss - sie hat die Mädchen entführt - und dank Merlin sind wir jetzt auch diese Schwerter los!” Sir Gwain und Sir Leon sahen sich um. Ja, die Schwerter lagen regungslos auf dem Boden und wirkten wieder wie ganz normale Schwerter… Als ob sie niemals etwas anderes gewesen wären…
Sie schüttelten die Köpfe. Magie war etwas verzwicktes, und manche der Ritter konnten sich der Gedanken nicht verwehren, dass es besser gewesen wäre, wenn die Magie nie nach Camelot zurück gekehrt wäre… Doch es war nun einmal geschehen, und es konnte auch nicht rückgängig gemacht werden, zumal Arthur auch weiterhin hinter seiner Entscheidung stand und Merlin sein bester Berater und treuester Freund geworden war. Also mussten sie sich damit abfinden, zudem Merlin auf der richtigen Seite stand. Es gab auch gute Magie und dies war ja auch nicht zu verachten im Kampf gegen die andere Seite…
Schließlich war Merlin der erste, der sprach: “Ich fühle, dass jetzt keine Gefahr mehr droht. Das ist das einzige “Geschenk”, das Morgana uns hinterlassen hat.. Wir müssen uns jetzt der Suche nach den Mädchen und dieser Elle widmen! Ich muss Leeana finden!” setzte er noch leise hinterher. Arthur nickte verstehend. “Ja, du hast Recht. Das müssen wir. Wir werden jetzt nach Spuren suchen, irgend welche muss Morgana hinterlassen haben!” Sir Lancelot war wieder zu ihnen getreten, man konnte ihm die Anstrengung mit der er gegen die verzauberten Schwerter angetreten war, ansehen. “Ich werde Euch wieder begleiten”, sagte er und Arthur nickte. Auch Sir Gwain und Sir Leon standen bei ihm und auch diese wollten ihnen beistehen. Arthur zweifelte. Er war sich nicht sicher, ob es nicht besser war, die beiden trotz allem was geschehen war, das Schloss bewachen zu lassen, doch Merlin, der seine Gedanken erraten hatte, schüttelte den Kopf: “Es ist besser, wenn sie mitkommen. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber ich weiß, dass Morgana erst einmal nicht hierhin zurück kehren wird. Sie hat was sie gewollt hat und sie ist - noch - nicht stark genug, uns alleine anzugreifen. Noch hat sie Elles Macht nicht. Deswegen könnt Ihr es riskieren, das Schloss erneut alleine zu lassen.” Arthur sah ihn an. “Garantierst du mir das?” fragte er ihn. Merlin antwortete nicht sofort. Er konnte es nicht garantieren. Es war ein Gefühl, mehr nicht. Normalerweise täuschten ihn seine Gefühle nicht, doch reichten sie aus, um es seinem Herrn zu garantieren? Er wusste es nicht. Außerdem kam noch dazu, dass es ihm lieber war, wenn sowohl Sir Lancelot als auch die anderen höchsten Ritter, also Sir Gwain und Sir Leon sie begleiteten. Doch das konnte er so auch nicht sagen..
Dennoch hatte Arthur verstanden. Er seufzte. “Schon gut.. Also ich hoffe, dass du Recht hast, Merlin. Ich tue es äußerst ungern, zumal wir einige gute Ritter verloren haben.. Allerdings konnten auch Sir Gwain und Sir Leon nichts gegen Morgana ausrichten, also falls sie doch wieder auftauchen sollte, ist es fraglich, ob es etwas bringen würde, wenn sie hier blieben.. Und wenn wir gegen andere Feinde kämpfen müssen, wäre es besser, wenn wir sie dabei hätten… Also gut. Lancelot, Leon, Gwain, Ihr kommt mit! Und ihr anderen” - er wandte sich an die verbliebenen Ritter, die um sie herum standen - “Ihr bleibt hier und bewacht das Schloss. Ich will, dass Ihr überall Eure Augen habt! Auch in den Kerkergewölben! Ich fürchte beinahe, dass wir die viel zu sehr aus den Augen verloren haben, seit es keine Hinrichtungen mehr gibt und ich kann mir nur vorstellen, dass sie sich dort eingeschlichen hat!”
Die Ritter nickten und so wurde es schließlich ausgeführt. Merlin und Arthur verabschiedeten sich noch einmal von Gaius, der ihnen erneut viel Glück wünschte. Nun ging es nicht mehr nur darum, die Hexe zu finden und herauszufinden, wo sich die Hüterin der Elemente befand, sondern es ging um Leeanas und auch um Jades Leben. Merlin fühlte erneut Unruhe in sich aufsteigen und wurde ungeduldig. Er drängte nun zum Aufbruch und so ritten sie erneut fort. Aufs Äußerste gespannt sahen sie sich in der Umgebung um und versuchten, jede kleine Spur zu finden. Doch zuerst war absolut nichts auszumachen. Dann plötzlich hielt Merlin die Ritter und Arthur erneut an, und diese blieben stehen. Sie kannten das Zeichen. Merlin schien etwas gespürt - oder gehört - zu haben..
Ja, Merlin hatte etwas gehört. Er hatte seinen Geist erneut freigemacht und sich in den letzten Minuten nur noch auf Leeana konzentriert. Und nun hörte er erneut ihre Stimme in seinem Kopf. Ja, es war eindeutig ihre Stimme! Sie rief seinen Namen, immer und immer wieder und er registrierte ihre Worte: “Ich bin hier.. Kannst du mich hören? Kannst du meinem Ruf folgen?” “Ja, ich höre sie! Wir müssen dort lang!” Er zeigte nach Norden, und Arthur und die Ritter begannen, die Richtung, die er ihnen gezeigt hatte, einzuschlagen. Merlin trieb sein Pferd immer schneller an. Er wollte zu Leeana!…
Dann waren sie endlich angekommen. Arthur bemerkte mit Erleichterung, dass das Schloss noch stand und er keinerlei Brandspuren oder ähnliches ausmachen konnte. Während ihn Erleichterung überflutete, verspannte sich Merlin zusehends. Er merkte, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Auch, wenn das Schloss selber nicht in Mitleidenschaft gezogen worden war, es sah noch genauso aus wie zuvor, konnte er dennoch Morganas dunkle Aura spüren. Auch wenn dem Schloss äußerlich nichts anzumerken war, beschlich auch Arthur ein übles Gefühl und er gab seinen Rittern den Befehl, sich innerhalb des Schlosses umzusehen und er ermahnte sie, vorsichtig zu sein. Er war sich zwar sicher, dass Morgana fort war, schließlich hatte Merlin sie in seiner Vision in ihrem Schloss gesehen, doch wer wusste, was sie ihnen als “Präsent” dagelassen hatte? Die Ritter nickten und näherten sich dann - geführt von Sir Lancelot - dem Hintereingang des Schlosses.
Merlin und Arthur waren derweil von ihren Pferden abgestiegen und liefen in die Richtung des Vordereinganges. Bei beiden war die Anspannung zu spüren. Dann erstarrten sie. Sie konnten in etwas weiterer Entfernung Gaius erkennen, der sich verzweifelt bemühte, einen Ast, der so dick war wie ein ganzer Mann, von jemandem herunter zu hieven, was dem alten Mann denkbar schwer fiel. Und mit noch größerem Erschrecken registrierten sowohl Arthur als auch Merlin, dass es sich bei dem Mann um Sir Leon handelte! Dann war die Schrecksekunde vorüber und sowohl Arthur als auch Merlin sprangen von ihren Pferden und hasteten zu Gaius.
Merlin war zuerst bei ihm. Gaius hatte nichts von seinem Erscheinen bemerkt, er war immer noch verzweifelt bei seinen Rettungsversuchen, die schon einige Zeit dauerten, und ihm Schweißperlen auf die Stirn trieben. Einmal vor Anstrengung und dann auch vor Sorge und Angst um den Ritter. Gaius spürte, dass er nicht mehr viel Zeit hatte um ihn von dem mannsgroßen Ast zu befreien und zu heilen…
Dann spürte er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter. Gaius sprang beinahe panisch auf die Beine und wäre beinahe über Sir Leon gestolpert, als er sich umdrehte und dann zurück trat. Er fürchtete, dass es nun vorbei war. Doch dann sah er - seine Augen wurden groß - Merlin? War das ein Trugbild? Vielleicht ein böser Zauber? In der Zwischenzeit war auch Arthur hinzugetreten. Er hielt sich nicht lange mit Begrüßungen auf, sondern kniete sich vor Sir Leon und versuchte ebenfalls, ihn von dem großen Ast zu befreien. Doch dieser war selbst für ihn zu schwer. Es gelang ihm lediglich, diesen ein kleines Stückchen von Sir Leons Körper zu hieven, dann sank er erneut auf dessen Brust zurück.
Merlin hatte Gaius angeblickt und die Panik in seinen Augen gesehen und diese auch gespürt. Er nickte und sprach beruhigend auf ihn ein: “Ich bin es, Gaius. Wir sind zurück gekehrt, da ich gespürt habe, dass etwas geschehen ist.” Gaius beruhigte sich langsam und begriff, dass es tatsächlich Merlin und Arthur waren, die er da vor sich sah. Er lächelte. Dann wurde sein Gesichtsausdruck wieder ernst. “Merlin, die Mädchen…” “Ich weiß, Morgana hat sie entführt…” “Morgana?” keuchte Gaius. Er hatte mit allem gerechnet, nur nicht mit Morgana! Doch dann wurde ihm einiges klarer. Doch bevor Merlin antworten konnte, hörten sie Arthurs leicht säuerliche Stimme: “Ich störe eure angeregte Unterhaltung recht ungern, aber ich bräuchte hier mal Hilfe! Merlin, evtl. könntest du mit deiner Magie ein wenig nachhelfen, damit wir Sir Leon befreien können??” Merlin löste sich erschrocken von Gaius und lief zu dem Ritter hinüber. Wie hatte er nur den Ritter vergessen können? Auch Gaius hatte Schuldgefühle. Merlin bat Arthur kurz, zur Seite zu treten, was dieser auch tat, und dann sprach er einen kurzen Zauberspruch, der zur Folge hatte, dass der Baumstamm sich beinahe wie von selbst hob und auf der anderen Seite des Baumes herab fiel. Sir Leon war frei.
Arthur hatte mal wieder für kurze Zeit fasziniert Merlins Augen betrachtet, als sie sich goldgelb verfärbten. Dann riss er sich zusammen und wandte sich an Gaius. “Gaius, was ist mit ihm?” Gaius zögerte nicht lange und kniete sich sofort vor ihn hin um ihn zu untersuchen. Sein Gesichtsausdruck war ernst. Er konnte zwar noch Vitalfunktionen erkennen; Sir Leons Herz schlug noch und auch die Atmung war noch aktiv, aber da der Ast auf Sir Leons Brustkorb gefallen war, war beides nur sehr schwach auszumachen. Er sah zuerst Merlin und dann Arthur an. “Ich müsste meine Heilkräuter und Mischungen holen, doch ich fürchte, soviel Zeit ist nicht mehr - Sire, ich würde vorschlagen, dass Merlin…” Weiter brauchte er nicht zu sprechen, Arthur nickte. “Ja, schon gut. Merlin, heil ihn. Ich will ihn so gesund haben wie er vorher war; abgesehen davon möchte ich wissen, was genau hier geschehen ist!”
Merlin nickte und dann machte er sich ans Werk. Seine Augen blitzen erneut gelb auf, als er seine Hand auf Sir Leon legte und langsam seinen Herzschlag erspürte. Dieses Mal hatte er keine Vision, wie bei der Heilung von Jade, und nachdem er im Einklang mit Sir Leons viel zu langsamen Herzschlag war, “zwang” er diesen im richtigen Takt zu schlagen. Dann widmete er sich dessen Lungenflügel, die durch den Einschlag des Baumstammes eingefallen waren, was seine schwache, beinahe kaum noch vorhandene Atmung erklärte. Auch dies konnte er schließlich durch Anwendung von Magie ändern. Er sorgte zuerst dafür, dass seine Lunge wieder breiter wurde und Sir Leon wieder in der Lage war, die Luft aufzunehmen, die sein Körper brauchte um zu überleben. Dann war es geschafft. Sie konnten hören, wie dessen Atmung sich wieder normalisierte und schließlich konnte Merlin ihn los lassen. Sowohl die Atmung als auch der Herzschlag funktionierten jetzt wieder einwandfrei und ohne seine Hilfe. Nun mussten sie nur noch warten, bis er von alleine aus der Ohnmacht erwachte, doch das würde nicht mehr lange dauern, versicherte Merlin ihnen.
Besonders Arthur war trotz Merlins Beteuerung ungeduldig. Er wusste zwar von Merlin, wer für das alles verantwortlich war, dennoch wollte er von dem Ritter erfahren, was genau vorgefallen war und was dieser noch wusste. Dann war es soweit. Langsam regte sich Sir Leon und Gaius, der bis jetzt dabei gestanden hatte, während Merlin diesen geheilt hatte, beugte sich noch einmal zu ihm hinab um diesen erneut zu untersuchen. Die schwersten Verletzungen waren tatsächlich geheilt und es blieben nur noch ein paar blaue Flecke übrig, die aber auch von alleine fort gehen würden. Schließlich war Sir Leon tatsächlich wach. Er wusste zuerst nicht so richtig, was geschehen war, dann schien es ihm wieder einzufallen, denn er versuchte, so schnell wie möglich auf die Beine zu kommen, was ihm zuerst noch nicht richtig gelingen wollte. Er knickte wieder ein und keuchte. Auch wenn Merlin sein Herz und seine Lunge wieder in die richtigen Bahnen gebracht hatte, die leichten Quetschungen und blauen Flecken auf seiner Brust schmerzten noch. Arthur beugte sich zu ihm herab. “Ganz ruhig. Wir sind es! Hier ist - jedenfalls im Moment - wieder alles in Ordnung. Könnt Ihr Euch an etwas erinnern?” Sir Leon schaute zu ihm auf - und erkannte seinen König.
Langsam stand er auf, an seinem Gesichtsausdruck konnte man erkennen, dass er Schmerzen hatte, und verbeugte sich leicht. Auch vor Merlin, der ungeduldig abwinkte. Dafür hatten sie jetzt eigentlich keine Zeit, er wollte nach weiteren Spuren suchen, die ihm auf Leeanas Spur führen sollten! Deswegen war er hierhin zurück gekehrt. Aber trotzdem hatte er noch genug Anstand, Sir Leons Gruß zu erwidern. Auch Arthur hatte leicht genickt und dann stellte er die Frage, die ihm schon die ganze Zeit auf der Seele brannte: “Was ist hier geschehen? Wo sind die anderen? Was ist mit Sir Gwain?”
Gaius erschrak, als er den Namen hörte. Jetzt fiel ihm auch der andere Ritter ein, der verletzt im Inneren des Schlosses - vor seiner Türe um genau zu sein - lag. Er hatte ihn ganz vergessen, als er um Sir Leons Leben bangte und versucht hatte, ihm zu helfen. Bevor Leon antworten konnte, stieß Gaius hervor: “Sir Gwain ist ebenfalls verletzt! Er liegt im Schloss, ich hatte kurz nach ihm geschaut, um seine Vitalfunktionen zu überprüfen. Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass diese in Ordnung waren, bin ich hierher gelaufen, weil ich schauen wollte, ob ich noch eine Spur von den Mädchen finden konnte.. Und dann habe ich Sir Leon entdeckt.. Verzeiht mir, Mylord, aber wir müssen jetzt auch nach Sir Gwain schauen, ich denke, er wird auch Hilfe brauchen!”
Arthur biss die Zähne zusammen und nickte nur. Was würde ihn hier noch alles erwarten? Mittlerweile war auch Sir Leon wieder fester auf den Füßen und sie gingen Richtung Schloss. Sir Leon begann, leise zu sprechen: “Mylord, es war Morgana! Sie hat die Mädchen entführt.. Ich weiß nicht, wie sie in das Schloss gekommen ist, keiner scheint sie gesehen zu haben.. Ich selbst war außerhalb des Schlosses, als ich sie und die Mädchen gesehen habe.. Ich habe versucht, sie zu töten und die Mädchen zu befreien, aber als ich auf sie los gehen wollte, hat sie mich an den Baum gestoßen.. Ich habe diese Druckwelle gespürt, mit der sie mich angegriffen hat. Und dann fiel der Ast auf mich - und ich spürte gar nichts mehr.. Es tut mir Leid, dass ich nichts tun konnte, um den Mädchen zu helfen”, setzte er noch hinzu, mit einem geknickten Blick auf Merlin. Dieser schüttelte nur den Kopf. Seine Mine war ausdruckslos, beinahe gefühllos, und nur Arthur wusste, dass dies nichts zu bedeuten hatte. Merlin litt mehr, als er hier vor ihnen zugeben würde. Und doch riss er sich zusammen um in der Lage zu sein, die Suche nach dem Mädchen, für das er wie ein Bruder fühlte und dem anderen Mädchen weiter zu führen. Arthur legte eine Hand auf Merlins Schulter und fühlte, wie dieser sich versteifte. “Es wird alles gut, Merlin! Wir finden sie!” Merlin sah zu ihm und für einen kurzen Augenblick glitt ein dankbares Lächeln über sein Gesicht, doch es verschwand sofort wieder. Auch er hoffte, dass sie sie finden würden, doch würde es noch rechtzeitig sein? Würden sie noch leben? Er konnte immer noch kein Zeichen von ihr empfangen und die Schmerzen, die er während ihrer Folterung gespürt hatte, waren zwar nicht mehr so stark, aber richtig fort waren sie immer noch nicht. Nein, er wusste, dass sie sich beeilen mussten, dennoch war nun erst einmal Sir Gwain wichtig. Arthur, Merlin, Gaius und der Ritter hatten den Eingang zum Schloss erreicht und Arthur hielt die anderen dazu an, vorsichtig und leise zu sein und so traten sie gemeinsam ins Schloss. Sowohl Arthur als auch Sir Leon, der wieder beinahe vollständig einsatzfähig war, hatten ihre Schwerter gezogen und traten angespannt in den Eingangsbereich des Schlosses ein…
Währenddessen hatten die Ritter bereits das Schloss durchkämpft. Zuerst konnten sie nichts erkennen, doch dann bemerkten sie Wachen und einige der Ritter, die im Schloss geblieben waren, die mit etwas kämpften… Den Rittern blieb beinahe die Luft weg. Konnte das wahr sein?? Nach einigen Sekunden des Schocks war ihnen klar, dass es der Realität entsprach, was sie da sahen. Immerhin war nach Arthurs Krönung die Magie nach Camelot zurück gekehrt - wenn sie jemals ganz verschwunden war.. Jedenfalls registrierten sie Wachen und andere Ritter, die mit fliegenden Schwertern! kämpften, die scheinbar völlig von alleine auf diese zuflogen! Leider waren auch einige der Wachen von den scheinbar führerlos kämpfenden Schwertern erschlagen worden. Doch die Ritter hatten keine Zeit um diese zu trauern, sondern eilten schnellstmöglich zur Hilfe herbei, angeführt von Sir Lancelot. Nun war die Zahl der kämpfenden Ritter höher als die der fliegenden Schwerter und sie hatten zumindest eine Chance, gegen diese anzugehen…
Arthur, Sir Leon, Gaius und Merlin waren durch das Schloss auf dem schnellsten Weg zu Gaius´ Stube gelaufen, vor der der verletzte Sir Gwain lag. Zuerst kam ihnen kein Feind entgegen und sie waren erleichtert, da sie schon befürchtet hatten, dass Morgana ihnen einige ihrer “Freunde” zur Begrüßung dagelassen haben könnte… Arthur war schon beinahe dabei, sein Schwert wieder in die Scheide zu stecken, als auch er wie vom Donner gerührt stehen blieb. Die anderen stoppten ebenfalls. Was sie sahen, ließ ihnen die Haare zu Berge stehen. Arthurs Wachen und Ritter kämpften mit fliegenden Schwertern!! Dies war eindeutig Morganas Werk!
Nachdem sie sich aus der Erstarrung gelöst hatten, sagte Gaius leise: “Wir müssen da durch, Sire, Sir Gwain liegt dahinter vor der Wand, wenn er denn nicht zwischendrin aufgewacht ist..” Merlin schüttelte den Kopf. “Nein, ist er nicht. Ich kann seine Präsenz noch spüren und er ist immer noch ohnmächtig. Zwar nicht ganz so schwer verletzt wie Sir Leon, aber er ist immer noch nicht bei Bewusstsein und braucht unsere Hilfe.” Arthur nickte. Er konnte sehen, dass seine Ritter, mit Sir Lancelot an der Spitze, in der Überzahl waren, dennoch hatten einige der Wachen und auch der Ritter, die das Schloss bewachen sollten, während sie fort waren, ihr Leben lassen mussten. Er biss die Zähne zusammen. Also hatte Morgana doch etwas zerstört… Das würde sie ihm büßen. Noch einmal würde diese Hexe nicht lebend davon kommen! Er hatte noch eine Rechnung mit ihr offen… Doch das musste warten. Er hatte jetzt keine Zeit für solche Gedanken! Mit einem kurzen Blick sah er auf Merlin und dieser verstand. Seine Augen wurden erneut goldgelb und die fliegenden Schwerter, die noch in Aktion waren - einige waren schon von den kämpfenden Rittern zerstört worden, dennoch waren es noch sehr viele die ihnen um die Ohren flogen - fielen mit einem Schlag auf den Boden und rührten sich nicht mehr. Die Ritter schauten verwirrt auf und erblickten Arthur und den Zauberer. Auch sie verbeugten sich, doch dieses Mal war es Arthur, der abwinkte. Sie hatten keine Zeit für diese Rituale. Auch, wenn er wusste, dass es unhöflich und gegen die Etikette war, doch es war ihm egal. Stattdessen schaute er geradeaus und sah schließlich in etwas weiterer Entfernung Sir Gwain an der Wand lehnen. Er und Merlin, der ihn ebenfalls gesehen hatte, stürzten nach vorne - von den Schwertern ging keine Gefahr mehr aus - und kamen schließlich bei Sir Gwain an. Merlin beugte sich sofort zu ihm und ertastete seinen Puls, der relativ regelmäßig schlug. Bei ihm war es einfacher als bei Sir Leon, er war nur durch den starken Stoß gegen die Wand in eine längere Bewusstlosigkeit geglitten. Merlin wandte erneut einen Heilzauber an und nach wenigen Augenblicken erwachte auch Sir Gwain. Arthur, die Ritter und auch Gaius atmeten hörbar erleichtert auf. Auch Sir Gwain war zuerst relativ verwirrt und wollte sein Schwert ziehen als ihm wieder einfiel, was geschehen war, doch Arthur hielt ihn davon ab. “Es ist vorbei. Morgana ist nicht mehr im Schloss - sie hat die Mädchen entführt - und dank Merlin sind wir jetzt auch diese Schwerter los!” Sir Gwain und Sir Leon sahen sich um. Ja, die Schwerter lagen regungslos auf dem Boden und wirkten wieder wie ganz normale Schwerter… Als ob sie niemals etwas anderes gewesen wären…
Sie schüttelten die Köpfe. Magie war etwas verzwicktes, und manche der Ritter konnten sich der Gedanken nicht verwehren, dass es besser gewesen wäre, wenn die Magie nie nach Camelot zurück gekehrt wäre… Doch es war nun einmal geschehen, und es konnte auch nicht rückgängig gemacht werden, zumal Arthur auch weiterhin hinter seiner Entscheidung stand und Merlin sein bester Berater und treuester Freund geworden war. Also mussten sie sich damit abfinden, zudem Merlin auf der richtigen Seite stand. Es gab auch gute Magie und dies war ja auch nicht zu verachten im Kampf gegen die andere Seite…
Schließlich war Merlin der erste, der sprach: “Ich fühle, dass jetzt keine Gefahr mehr droht. Das ist das einzige “Geschenk”, das Morgana uns hinterlassen hat.. Wir müssen uns jetzt der Suche nach den Mädchen und dieser Elle widmen! Ich muss Leeana finden!” setzte er noch leise hinterher. Arthur nickte verstehend. “Ja, du hast Recht. Das müssen wir. Wir werden jetzt nach Spuren suchen, irgend welche muss Morgana hinterlassen haben!” Sir Lancelot war wieder zu ihnen getreten, man konnte ihm die Anstrengung mit der er gegen die verzauberten Schwerter angetreten war, ansehen. “Ich werde Euch wieder begleiten”, sagte er und Arthur nickte. Auch Sir Gwain und Sir Leon standen bei ihm und auch diese wollten ihnen beistehen. Arthur zweifelte. Er war sich nicht sicher, ob es nicht besser war, die beiden trotz allem was geschehen war, das Schloss bewachen zu lassen, doch Merlin, der seine Gedanken erraten hatte, schüttelte den Kopf: “Es ist besser, wenn sie mitkommen. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber ich weiß, dass Morgana erst einmal nicht hierhin zurück kehren wird. Sie hat was sie gewollt hat und sie ist - noch - nicht stark genug, uns alleine anzugreifen. Noch hat sie Elles Macht nicht. Deswegen könnt Ihr es riskieren, das Schloss erneut alleine zu lassen.” Arthur sah ihn an. “Garantierst du mir das?” fragte er ihn. Merlin antwortete nicht sofort. Er konnte es nicht garantieren. Es war ein Gefühl, mehr nicht. Normalerweise täuschten ihn seine Gefühle nicht, doch reichten sie aus, um es seinem Herrn zu garantieren? Er wusste es nicht. Außerdem kam noch dazu, dass es ihm lieber war, wenn sowohl Sir Lancelot als auch die anderen höchsten Ritter, also Sir Gwain und Sir Leon sie begleiteten. Doch das konnte er so auch nicht sagen..
Dennoch hatte Arthur verstanden. Er seufzte. “Schon gut.. Also ich hoffe, dass du Recht hast, Merlin. Ich tue es äußerst ungern, zumal wir einige gute Ritter verloren haben.. Allerdings konnten auch Sir Gwain und Sir Leon nichts gegen Morgana ausrichten, also falls sie doch wieder auftauchen sollte, ist es fraglich, ob es etwas bringen würde, wenn sie hier blieben.. Und wenn wir gegen andere Feinde kämpfen müssen, wäre es besser, wenn wir sie dabei hätten… Also gut. Lancelot, Leon, Gwain, Ihr kommt mit! Und ihr anderen” - er wandte sich an die verbliebenen Ritter, die um sie herum standen - “Ihr bleibt hier und bewacht das Schloss. Ich will, dass Ihr überall Eure Augen habt! Auch in den Kerkergewölben! Ich fürchte beinahe, dass wir die viel zu sehr aus den Augen verloren haben, seit es keine Hinrichtungen mehr gibt und ich kann mir nur vorstellen, dass sie sich dort eingeschlichen hat!”
Die Ritter nickten und so wurde es schließlich ausgeführt. Merlin und Arthur verabschiedeten sich noch einmal von Gaius, der ihnen erneut viel Glück wünschte. Nun ging es nicht mehr nur darum, die Hexe zu finden und herauszufinden, wo sich die Hüterin der Elemente befand, sondern es ging um Leeanas und auch um Jades Leben. Merlin fühlte erneut Unruhe in sich aufsteigen und wurde ungeduldig. Er drängte nun zum Aufbruch und so ritten sie erneut fort. Aufs Äußerste gespannt sahen sie sich in der Umgebung um und versuchten, jede kleine Spur zu finden. Doch zuerst war absolut nichts auszumachen. Dann plötzlich hielt Merlin die Ritter und Arthur erneut an, und diese blieben stehen. Sie kannten das Zeichen. Merlin schien etwas gespürt - oder gehört - zu haben..
Ja, Merlin hatte etwas gehört. Er hatte seinen Geist erneut freigemacht und sich in den letzten Minuten nur noch auf Leeana konzentriert. Und nun hörte er erneut ihre Stimme in seinem Kopf. Ja, es war eindeutig ihre Stimme! Sie rief seinen Namen, immer und immer wieder und er registrierte ihre Worte: “Ich bin hier.. Kannst du mich hören? Kannst du meinem Ruf folgen?” “Ja, ich höre sie! Wir müssen dort lang!” Er zeigte nach Norden, und Arthur und die Ritter begannen, die Richtung, die er ihnen gezeigt hatte, einzuschlagen. Merlin trieb sein Pferd immer schneller an. Er wollte zu Leeana!…

